Dienstag, 16. Juni 2015

|Rezension| Isabel Abedi - Isola

Isabel Abedi | Arena Verlag | 2. Auflage | 328 Seiten | 14,95€
"Ich hätte weglaufen können. Noch heute spukt dieser Gedanke oft durch meinen Kopf. Ich hätte mich heimlich von der Gruppe entfernen können, genügend Gelegenheiten hatte es gegeben [..] Aber hätte das etwas geändert? Hätte Tempelhoff mich suchen lassen und wäre das Projekt dann womöglich abgebrochen worden? Wäre vielleicht kein Blut geflossen?" - S. 23

Zwölf Jugendliche, drei Wochen allein auf einer einsamen Insel vor Rio de Janeiro – als Darsteller eines Films, bei dem nur sie allein die Handlung bestimmen. Doch bald schon wird das paradiesische Idyll für jeden von ihnen zu einer ganz persönlichen Hölle. Und am Ende müssen die Jugendlichen erkennen, dass die Lösung tief in ihnen selbst liegt.

Das Jugendbuch "Isola" von Isabel Abedi ist eine einfache lockere Lektüre, die mich in der kurzen Zeit gut unterhalten hat. Der Thriller fängt spannend an: Joy und elf weitere Jugendliche im Alter zwischen 16-19 werden auf eine Insel eingeladen, auf der sie bis zu drei Wochen frei leben können. Während des gesamten Aufenthalts werden sie von Kameras gefilmt, denn ein berühmter Filmregisseur möchte aus diesem Material einen neuen Film basteln. Damit ein wenig Spannung aufkommt, will er ein Spiel mit den Teens spielen. Ein Kinderspiel, bei dem einer von ihnen den "Mörder" ist. Ähnlich wie "Mord im Dunkeln", das ich als kleines Mädchen auf etlichen Kindergeburtstagen gespielt habe. Rund um die Uhr werden die Teenager überwacht. Sie sind von versteckten Kameras buchstäblich umzingelt. Doch das zuerst harmlose Kinderspiel gerät aus dem Ruder. Von Tag zu Tag verschwindet einer von ihnen. Der "Mörder" ist unbekannt und befindet sich unter ihnen....

Joy bzw. Vera, den für sich selbst gewählten Namen für das Insel- und Filmprojekt ist eine ruhige und stille Persönlichkeit, die auch von den anderen Teenagern auf der Insel als schüchtern eingestuft wird. Dafür sind ihre Gedanken und ihr Geist umso aufgeweckter. Zuerst war ich ein wenig verschreckt, mir zwölf Charaktere zu merken und überhaupt auseinanderhalten zu können, doch dies erwies sich als kein Problem. Alle zwölf Charaktere sind komplett unterschiedlich: Elfe ist bunt und offen, Darling eine zickige Barbie, Joker das Großmaul, oder der Surfboy Milky mit seinen Rastazöpfen. Aber ein Gruppenmitglied beschäftigt Vera am meisten: den geheimnisvollen Solo, der seinen schwarzen Labrador Mephisto mit auf die Insel nimmt. Sein Spitzname sagt schon einiges über ihn aus: Er ist ein Einzelgänger und sehr verschlossen. Vera kann ihn nur heimlich anschmachten, auch dass er plötzlich auftaucht und sich fast nie bei der Truppe aufhält, fasziniert sie und weckt ihre Neugierde. Somit bahnt sich eine Liebesgeschichte an, die in diesem Thriller eine wichtige Rolle spielen wird. Mir hat die Individualität der verschiedenen Charaktere sehr gefallen! Nur mit Vera und Solo bin ich nicht 100%ig zurechtgekommen, weil sie mir zu verschlossen und naiv sind. Beide von ihnen kriegen einfach nicht ihren Mund auf, was mich teilweise ziemlich aufgeregt hat. Ständig diese Blicke und Gesten! SAGT DOCH WAS?! Glücklicherweise ändert sich im Laufe der Zeit ihr Verhalten zueinander.

In den ersten fünfzig Seiten geht es logischerweise nur um das Kennenlernen der Charaktere untereinander. Das gegenseitige Beschnuppern und die damit auftretenden Vorurteile, wie z.B. bei Darling, "die arrogante Zicke", waren für mich sehr interessant und amüsant. Im Anschluss darauf wurde auch gleich das "Mörder-Opfer-Spiel" vom Regisseur eingebaut, wobei ich genau wie die anderen Teenager erst überhaupt keine Ahnung hatte, was jetzt vor sich geht. Die Spannung stieg und stieg, das Spiel nimmt ihren Lauf und so wurde es zur Mitte hin ein wenig langatmig. Schließlich ca. vierzig Seiten darauf, platzt die "Bombe" und lässt alle geschockt zurück. Besonders gefallen hat mir Joy bzw, Vera, wenn sie in der Vergangenheit spricht. Schon zu Beginn des Buches WEIß sie, was auf dieser Insel passieren wird und genau dieses Anstacheln hat mich weiter zum Lesen gebracht. Hauptsächlich geht es darum, wer aus der Reihe die "Mörderkarte" gezogen hat und nun Jagt auf sie macht, doch nach und nach verlieren sie ihre Hinweise aus den Augen und die Verletzlichkeit und Hilflosigkeit überwiegt in diesem Chaos...

Isabel Abedi hat einen wundervollen angenehmen Schreibstil. Er ist sehr leicht zu lesen, die Sätze fließen nur so dahin und ich konnte wieder in sehr kurzer Zeit schnell ein ganzes Buch lesen. Sie hat drei Sichten in ihrem Buch eingebaut; Aus der Perspektive des Regisseurs, der vor seinen Monitoren sitzt, wartet und beobachtet und die aus Joys, die mit den anderen Teenagern wie aufgeschreckte Tiere im Käfig festgehalten wird. Die dritte Sicht? Tja, das müsst ihr selber herausfinden...
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Ich gebe "Isola" 3,5/5 Herzen. Der Roman ist ein aufregendes Jugendbuch und ein spannender Thriller, dennoch kann ich nur gute 3,5 Herzen vergeben, da ich mich mit 19 Jahren teilweise zu alt für das Buch gefühlt habe. Das vom Hersteller empfohlene Alter von 14-17 Jahren finde ich sehr gerechtfertigt. Am meisten punktet "Isola" in der Kategorie Spannung, denn ständig sind unvorhersehbare Handlungen geschehen, die ich jeweils nie erwartet hätte. Für mich war der Jugendthriller eine lockere Lektüre, die mich gut unterhalten hat. Wieder hat Isabel Abedi bewiesen, dass sie eine sehr gute Jugendbuchautorin ist und ich freue mich schon auf ihre weiteren Werke.


Story 4/5
Charaktere 4/5
Schreibstil 4/5
Gefühl 3/5
Spannung 4/5